Infrarotheizungen: ein Schlüssel zum bezahlbaren Bauen
Vierte Konferenz der IG Infrarot Deutschland zeigt breite Unterstützung aus Politik, Wohnungswirtschaft, Verbänden und Praxis ++ Projekte aus Neubau und Sanierung belegen Wirtschaftlichkeit und vielseitige Einsatzmöglichkeiten von Infrarotheiztechnik
Sauerlach, 5. Mai 2026. Auf der vierten Konferenz der IG Infrarot Deutschland drehte es sich um Schlüssel zum bezahlbaren Bauen und Wohnen im Allgemeinen und die Rolle von Infrarotheizungen zur Kostenreduktion und Ankurbelung des Baus im Besonderen. Referenten und Diskutanten plädierten für eine einfache und bezahlbare technische Gebäudeausrüstung und waren sich einig, dass Infrarotheizungen eine der Lösungen zum bezahlbaren Bauen sind. Referenzen aus dem Neubau und Bestand belegten die Wirtschaftlichkeit.
Die Konferenz am 16. April 2026 in Würzburg war ein Meilenstein für die Branche und die Infrarotheiztechnik. Nachdem auf den vergangenen drei Konferenzen wissenschaftliche Studien von renommierten Forschungsinstituten im Mittelpunkt standen, bekam die Branche auf der diesjährigen Konferenz viel Rückenwind aus der Politik und der Wohnungswirtschaft sowie von anderen Branchenverbänden. Konsens gab es darüber, dass die Infrarotheizung eine der Optionen für bezahlbares Bauen ist.
„Dabei dreht es sich stets um eine Gesamtbetrachtung der Kosten und des Lebenszyklusses“, betonte Lars Keussen, erster Vorsitzender des IG Infrarot Deutschland e.V. Diese beinhalten die Ausgaben für die Investition, Installation, den Betrieb und wiederkehrende Kosten, aber auch die Graue Energie. Die auf der Konferenz präsentierten Projekte, unter anderem von neuen und sanierten Mehrfamilienhäusern mit Infrarotheiztechnik zur Alleinbeheizung, zeigten, dass diese für eine gleichberechtigte Position im Reigen der Heizsysteme qualifiziert. Ideal ist die Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher, um Gebäude so weit wie möglich solarelektrisch zu versorgen.
Technologieoffenheit und einfache Technik
Den Auftakt machte Ina Scharrenbach, Bauministerin des Landes Nordrhein-Westfalen. In ihrem online übertragenen Grußwort sprach sie sich ausdrücklich für Technologieoffenheit aus. Gerade im Gebäudebestand gebe es große CO2-Einsparpotenziale, zugleich aber sehr unterschiedliche bauliche Voraussetzungen. „Da muss es dem Eigentümer oder der Eigentümerin offenbleiben, welche technische Gebäudeausrüstung er oder sie einbauen möchte. Die Infrarotheiztechnik ist da eine durchaus relevante.“
Thomas Gerl, Bauunternehmer aus Straubing und Vorstand des BFW Landesverbandes Bayern e.V., stellte die Kostenfrage in den Mittelpunkt. In seiner Keynote forderte er bessere steuerliche und finanzielle Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau, darunter eine Sonderabschreibung, KfW-Darlehen und eine Eigenheimzulage.
Zugleich sieht er in der TGA einen zentralen Hebel: „Ich würde nicht den ganzen Keller mit Technik vollstopfen. Es geht auch mit weniger Technik und deutlich weniger Kosten.“
Diese Linie setzte sich in der Podiumsdiskussion fort. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Wie kommen wir schnell und günstig zu bezahlbarem Wohnraum und welche Rolle spielt preiswerte TGA dabei?
Thomas Gerl brachte es auf den Punkt: „Wir müssen mit den Kosten runter.“ Vor einigen Jahren hatte der Rohbau noch einen Anteil von 40 Prozent an den Gesamtkosten. Nun seien es nur noch 25 Prozent, während die TGA deutlich teurer geworden sei.
René Ebert, Geschäftsleiter Technik & Projekte bei der VdZ Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie e.V., betonte: „Wenn schneller und günstiger gebaut werden soll, muss nicht nur über Material- und Finanzierungskosten gesprochen werden, sondern auch über Komplexität, Schnittstellen und Umsetzbarkeit. Das führt zu der Erkenntnis: Die knappste Ressource ist oft nicht das Material, sondern qualifizierte Zeit. Deshalb brauchen wir vor allem Gebäudetechnik, die einfacher planbar, schneller montierbar und im Betrieb beherrschbar ist.“
Kerstin Stratmann, Geschäftsführerin des Fachverbandes Gebäudeenergie im ZVEI, plädierte für den Blick auf das gesamte Energiesystem im Gebäude: „Wir müssen die Heizung als Teil des Energiesystems im Gebäude denken. Wenn wir über bezahlbares Bauen und Wohnen sprechen, ist Planungssicherheit der entscheidende Hebel. Technologisch geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern um das intelligente Zusammenspiel aller strombasierten Technologien im Gebäude: Wärmepumpe, Infrarotheizung kombiniert mit Photovoltaik, Heimspeicher, Lüftung und Energiemanagement.“
Prof. Dr. Ing. Bert Oschatz, Geschäftsführer des ITG Dresden, appellierte: „Um zu bezahlbarem Bauen zu kommen, müssen wir insgesamt einen Schritt zurückgehen. Wir sollten robustere technische Lösungen umsetzen, die günstige Investitionen mit wenig Wartungsaufwand verbinden und geringe Gesamtkosten verursachen.“
Christoph Weiland, Vorstand des IG Infrarot Deutschland e.V., vertrat den Standpunkt, dass die Wirtschaftlichkeit die Prämisse sein sollte. „Die einfachste Lösung ist häufig die wirtschaftlichste.“
Heiko Schwarzburger, Chefredakteur der Fachmedien photovoltaik/PV Europe, rückte den solarelektrischen Ansatz in den Vordergrund. Statt nur über Heizung zu sprechen, müsse stärker über solarelektrische Vollversorgung gesprochen werden: „Das ist möglich und wirtschaftlich machbar.“ Als Vorteile der Infrarotheizung nannte er die Enttechnisierung und die Reduktion auf ein Gewerk, das Elektrohandwerk.
Projekte – Infrarotheiztechnik zur Alleinbeheizung im Neubau
Die auf der Konferenz vorgestellten Projekte zeigten die Bandbreite der Anwendungen: vom seriellen Neubau über temporär nutzbare Wohngebäude und die Revitalisierung historischer Bausubstanz bis hin zur Sanierung von Mehrfamilienhäusern und hybriden Lösungen im Geschosswohnungsbau.
Hermann Stegink, Geschäftsführer der Solid.Modulbau GmbH, setzt auf serielles und modulares Bauen. Er stellte ein Mehrfamilienhaus mit 56 Wohnungen in Wuppertal vor. Das Gebäude inklusive Tiefgarage wurde 2019 in nur acht Monaten in modularer Bauweise durch Solid.Modulbau als Generalübernehmer errichtet. Es ist als solarelektrisches Gebäude konzipiert und erreicht Effizienzhaus-Standard KfW 40 Plus. „Der hohe Vorfertigungsgrad und die schnelle Montage begünstigen eine kurze Bauzeit vor Ort“, sagte Stegink. Auch die einfache Installation der Infrarotheizgeräte und der Verzicht auf eine wasserführende Wärmeverteilung trugen zur schnellen Umsetzung bei. Aufgrund seiner Erfahrung aus diversen Projekten mit Infrarotheizungen sagte er: „Damit bin ich im Bereich der Technik viel günstiger unterwegs: im Invest und in der Nutzung.“
Die Vergleichsrechnung zum Projekt in Wuppertal machte den wirtschaftlichen Effekt deutlich: Eine TGA mit Wärmepumpe, Pufferspeicher, Fußbodenheizung, Wohnungsstationen und Lüftungssystem hätte rund 350.000 Euro netto beziehungsweise 128,75 Euro netto je Quadratmeter Wohnfläche mehr gekostet als das installierte System mit 208 Infrarotheizungen, 110 Kilowatt Photovoltaik, einem Batteriespeicher mit 50 Kilowattstunden Speicherkapazität, Durchlauferhitzern und Lüftungssystem mit Passivhauszulassung. Zusätzlich sinkt hier laut Stegink die „zweite Miete“ um etwa 15 bis 30 Prozent gegenüber einer klassischen TGA. Für eine Wohnung mit rund 49 Quadratmetern Wohnfläche lagen die externen Energiekosten für Heizen, Warmwasser und Hausstrom im Schnitt bei 46,50 Euro pro Monat, kalkuliert mit 32 Cent pro Kilowattstunde für extern bezogenen Strom. Zudem spart der Kunde die Messdienstleister mit monatlich circa 14 bis 18 Euro je Wohneinheit.
Ein weiteres Beispiel präsentierte Jan Motschull, Geschäftsführer der Vasner/MankeTech GmbH. Im unterfränkischen Karlstadt entstanden 14 Gebäude in Holzrahmenbau mit insgesamt 40 Wohneinheiten für Geflüchtete. Ziel war es, schnell und kostengünstig Wohnraum zu schaffen. Da die Gebäude eventuell nur temporär genutzt werden, wurde hier auf Photovoltaik verzichtet.
Für die Beheizung wurden 206 Infrarotheizgeräte für eine errechnete Gesamtheizlast von 44 Kilowatt Leistung installiert. Da lediglich Stromanschlüsse erforderlich waren, konnte die Installation einfach und zeitsparend erfolgen. Auch hier zeigt der Kostenvergleich den Vorteil im Invest: Ein Quartiers-Wärmepumpensystem mit vier Wärmepumpen hätte zwischen 676.000 und 852.000 Euro gekostet. Das Infrarotheizsystem lag bei rund 120.500 Euro, zusammen mit Durchlauferhitzern bei 212.500 Euro. Die Preise beinhalten jeweils die Installation.
Sanierung, Revitalisierung und Hybridlösungen
Dass Infrarotheiztechnik nicht nur im Neubau eingesetzt werden kann, zeigte Martin Schmidt, Prokurist bei der Fries Architekten GmbH. Er berichtete von der Modernisierung des Westerwälder Hofs, einer ehemaligen Traditionsgaststätte aus dem 17. Jahrhundert.
Statt Abriss und Neubau entschieden sich die Projektbeteiligten für die Revitalisierung und Erweiterung. Entstanden ist ein Gebäudekomplex im KfW-40-EE-Standard mit 26 barrierefreien Wohnungen, einem Backshop mit Café und einer Arztpraxis. Bis auf das Café und die Arztpraxis werden alle Räume ausschließlich mit Infrarotheizungen beheizt.
Die Entscheidung für Infrarotheiztechnik fiel auch aus Kostengründen. Martin Schmidt erklärte: „Bei unseren Projekten im Architekturbüro haben wir gesehen, dass die Kosten für die TGA immer höher werden. Teilweise übersteigen sie die Hochbaukosten.“ Ergänzt wird das Konzept durch eine Photovoltaikanlage mit 138 Kilowatt Leistung, einen Batteriespeicher mit 90 Kilowattstunden Speicherkapazität, dezentrale Lüftung, Durchlauferhitzer und einen dynamischen Stromtarif. Die ersten Mieter sind zum 1. November 2025 eingezogen, sie zahlen eine Pauschalmiete inklusive Energie- und Nebenkosten.
Michael Ringbauer, Geschäftsführer der Redwell Manufaktur GmbH, stellte ein Sanierungsprojekt in Vallendar vor. Dort wurde ein 1920 errichtetes Einfamilienhaus mit 248 Quadratmetern Nutzfläche zum Studentenwohnheim umgebaut und durch einen Neubau ergänzt. Ursprünglich war für den Altbau eine TGA mit Wärmepumpe, Fußbodenheizung, zentraler Abluftanlage, Durchlauferhitzern und einer 4-Kilowatt-Photovoltaikanlage kalkuliert worden. Die Investitionskosten hierfür hätten bei rund 78.000 Euro gelegen. Realisiert wurde schließlich ein Paket aus Infrarotheizungen, dezentraler Lüftung mit Wärmerückgewinnung und einer 12-Kilowatt-Photovoltaikanlage für 40.250 Euro. Das Projekt wurde von der Werkgemeinschaft Bauen + Energie berechnet und ausgeführt.
Sandro Lorch, Vertriebsleiter der ETHERMA Deutschland GmbH, erläuterte, wie Infrarotheizungen in hybriden Konzepten zur Sanierung im Geschosswohnungsbau beitragen können. In einem Nachkriegsbau der Wohnbau Mönchengladbach, der in einem ersten Schritt bereits eine Wärmedämmung und zweifachverglaste Fenster erhalten hatte, wurde der Austausch der Gasetagenheizungen erprobt. Im Zuge des Pilotprojektes fiel die Entscheidung auf ein Hybridsystem aus Wohnraum-Wärmepumpe und Infrarotheizgeräten von ETHERMA an den Decken. Die Umrüstung erfolgte schnell und ohne größere bauliche Eingriffe, die Mieter konnten während des Umbaus in der Wohnung bleiben.
Bezahlbarer Wohnraum in Großstädten
Ein neues Konzept stellte Lars Keussen, Gründer von 3lectrify, mit „Energy Flat Living“ vor. Das Modell soll bezahlbaren Wohnraum in Großstädten ermöglichen – ohne Fördermittel oder staatliche Zuschüsse, sondern über ESG Bonds finanziert. Ziel sind Pauschalmieten von 12,50 Euro je Quadratmeter inklusive Energie- und Nebenkosten. Grundlage ist eine solare Wärme- und Stromversorgung in Mehrfamilienhäusern. Große Photovoltaikanlagen sollen mehr als 50 Prozent des elektrischen und thermischen Energiebedarfs decken. Infrarotheizungen reduzieren durch den Verzicht auf aufwändige Verrohrung wesentliche Kostenblöcke beim Bau und im Betrieb. Hinzu kommen serielles Bauen, vorgefertigte Elemente sowie der Verzicht auf Tiefgarage und Keller. Gebaut werden soll auf Grundstücken, die über Erbpacht von Kommunen, Stiftungen, kirchlichen Trägern oder Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.
Den Abschluss des Programms bildete der Vortrag von Heiko Schwarzburger zur Entwicklung von Massenmärkten am Beispiel von Photovoltaik, Wärmepumpen und Lithiumspeichern. „Märkte orientieren sich am Bedarf und ein Massenmarkt entsteht immer dann, wenn mehrere Bedarfe zugleich erfüllt werden“, sagte er. Für die Infrarotheiztechnik sieht er großes Potenzial: „Sie ist als Versorgungssystem unschlagbar, einfach in der Installation und im Ersatz, sehr langlebig und auch Zusatzfunktionalität ist sehr gut darstellbar.“ Hiermit meinte er die Multifunktionalität zum Beispiel als Spiegel, Bild oder mit Lichtrahmen. Weitere Gründe seien der überschaubare Materialeinsatz, elektrischer Strom statt anfälliger Hydraulik und eine gut automatisierbare Fertigung.
Das Fazit der Konferenz zog Uwe Lucht, Vorstand der IG Infrarot Deutschland: „Wir haben die Infrarotheizung im Lichte der Wirtschaftlichkeit vor allem für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft betrachtet. Die Konferenz hat gezeigt, dass die Infrarotheiztechnik unter anderem durch die einfache, platzsparende Technik, die Bezahlbarkeit und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zur Alleinbeheizung aber auch im Hybridsystem punktet. Das ist nun auch in anderen Branchen angekommen.“
Runder Tisch und Konferenz 2027
Die nächsten Termine stehen bereits fest: Der 7. Runde Tisch der Infrarotheizungsbranche und die fünfte Konferenz der IG Infrarot Deutschland finden am 14. und 15. April 2027, erneut im Hotel Rebstock in Würzburg, statt.