Infrarotheizungen liefern bei Bedarf in Minutenschnelle behagliche Wärme (Foto: Welltherm)

Mit Infrarotheizungen schrittweise unabhängig von Öl und Gas werden

IG Infrarot Deutschland empfiehlt strategische Umstellung auf elektrisches Heizen ++ Schrittweise Umstellung oder Hybridsystem aus bestehender Heizung und Infrarotheizgeräten ++ Empfehlungen für die Integration in bestehende Gebäude

Sauerlach, 6. Oktober 2026. Wer aktuell noch mit Öl oder Gas heizt, kann sich auf steigende Heizkosten in diesem Jahr und perspektivisch auch für die kommenden Jahre einstellen. Dies ist das Fazit des Heizspiegels 2026 der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online, der im September veröffentlicht wurde. Elektrisch betriebene Infrarotheizungen sind ein Weg, sich mit überschaubarem Aufwand und ebensolchen Anschaffungskosten von dieser Preisentwicklung abzukoppeln. Darauf weist der IG Infrarot Deutschland e.V. hin. Christoph Weiland, Vorstand des Branchenverbandes, erklärt: „Infrarotheizungen können bestehende Heizsysteme ersetzen oder ergänzen. Auf die Weise helfen sie Eigentümern, ihre Abhängigkeit von Öl und Gas schrittweise zu verringern.“ Die einfach und schnell zu installierenden Infrarotheizgeräte, die an das heimische Stromnetz angeschlossen werden, sind zudem eine Möglichkeit, sich mit dem elektrischen Heizen vertraut zu machen und behagliche elektrische Direktwärme zu erleben.

Strategie für Umstellung auf elektrisches Heizen

Weiland rät dazu, die Umstellung auf das elektrische Heizen mit einer Strategie anzugehen. „Wir empfehlen, zunächst zu überlegen, wie man langfristig heizen möchte. Außerdem gilt es zu entscheiden, wann die Installation der ersten Infrarotheizgeräte sinnvoll ist.“ Wenn ohnehin eine Renovierung oder Sanierung ansteht, können die Räume bei dieser Gelegenheit mit überschaubaren Investitionen mit Infrarotheizungen ausgestattet werden. Eine Photovoltaikanlage kann hiervon unabhängig angeschafft werden.
Durch die Ausstattung der Wohnung mit Infrarotheizungen ist es möglich, sofort die Vorlauftemperatur der Gas- oder Ölheizung zu reduzieren. Bei einer Heizungs-Grundtemperatur von 17°C kann die Infrarotheizung bedarfsgerecht zur Deckung der Spitzenlast eingesetzt werden. Zur Benutzung des Badezimmers kann die Temperatur kurzfristig zum Beispiel auf 24°C erhöht werden. Im Kinderzimmer wird die Temperatur dann angehoben, wenn das Kind aus der Schule kommt. Das Schlafzimmer wird tagsüber kaum benutzt – hier besteht vor allem am Morgen und am Abend Bedarf an behaglicher Wärme. In allen Räumen mit Infrarotheizungen, die zeitgesteuert und mit Thermostaten geregelt betrieben werden, entsteht direkte Strahlungswärme zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.
„Wir empfehlen Kunden, das Infrarotheizsystem nach der kompletten Heizlast auszulegen, auch wenn anfänglich nur die Spitzenlasten in einzelnen Räumen abgedeckt werden“, sagt Christoph Weiland. Gerade in den Übergangszeiten kann die fossile Raumheizung komplett abgeschaltet werden. Fällt diese aus, kann der gesamte Wärmebedarf trotzdem gedeckt werden. In allen anderen Fällen sorgt die höhere Leistung dafür, dass die Komfort-Temperatur in wenigen Minuten erreicht wird.

Nutzung von Infrarotheizungen im Gebäudemodernisierungsgesetz geregelt

Stromdirektheizungen inklusive Infrarotheizungen werden im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) als eine technische Option zum Heizen genannt. Für bestehende Wohngebäude gilt, dass Stromdirektheizungen eingebaut werden dürfen, wenn der bauliche Wärmeschutz mindestens 30 Prozent besser ist, als es in den Anforderungen im Gesetz (§§ 16 und 19 GModG) verlangt wird. Für selbst bewohnte Ein- und Zweifamilienhäuser gilt diese Einschränkung nicht. Sie gilt auch nicht für den Austausch von bestehenden Einzelraum-Stromdirektheizungen. Weiterhin gibt es laut § 102 Abs. 1 Nr. 1 GModG die Möglichkeit, auf Antrag von einzelnen gesetzlichen Anforderungen befreit zu werden. Voraussetzung ist, dass die Ziele des Gesetzes durch andere als die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen im gleichen Umfang erreicht werden. Dabei ist der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit zu beachten.

Hybridsystem aus Öl- oder Gasheizung und Infrarotheizungen

Gerade für ältere Objekte bietet sich ein hybrides Heizsystem an. Der IG Infrarot Deutschland e.V. hat die Betriebsweise im Hybridsystem in zwei Studien der Technischen Universität Dresden (2023 und 2024) untersuchen lassen. In einer weiteren Studie von 2024 verglich das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Zwillingshäusern den Endenergieverbrauch eines Einfamilienhauses mit Gasbrennwertheizung und eines mit Infrarotheizungen. Die Abschlussberichte sind auf der Website des IG Infrarot Deutschland e.V. unter www.ig-infrarot.de zu finden.

Prognosen für die Entwicklung der Heizkosten

Warum die Umstellung auf elektrisches Heizen sinnvoll ist, zeigt ein Blick auf die aktuellen und zu erwartenden Heizkosten. „Während einzelne Energiepreise von Jahr zu Jahr schwanken, zeigt die langfristige Entwicklung eine klare Richtung: Heizen mit fossilen Energien wird voraussichtlich immer teurer“, ist auf der Website von co2online zum neuen Heizspiegel zu lesen. Bis 2045 könnten sich die Heizkosten für Gas- und Ölheizungen mehr als verdoppeln, heißt es hier weiter. Als Ursachen werden unter anderem steigende CO2-Kosten, höhere Netzentgelte sowie die sogenannte „Bio-Treppe“ im Gebäudemodernisierungsgesetz genannt. „Aktuell erleben wir einen drastischen Anstieg der Preise für Heizöl, und bei den Vergleichsportalen sind die Preise für die Kilowattstunde Gas aktuell von rund 9 Cent auf 13 Cent und mehr bei Laufzeitverträgen angestiegen“, beobachtet Weiland.
Eine sichere Prognose zur künftigen Strompreisentwicklung in Deutschland ist aufgrund der diversen Preisbestandteile kaum möglich. Allerdings ist davon auszugehen, dass zumindest die Erzeugung günstiger wird, da immer mehr günstig produzierter Wind- und Solarstrom in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Es wird daher davon ausgegangen, dass diese Preisentwicklung moderater verläuft als bei fossilen Brennstoffen, deren Kosten auch aufgrund geopolitischer Konflikte immer unberechenbarer werden. „Und wer eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach hat, profitiert ohnehin von niedrigen Strompreisen“, ergänzt Weiland. Infrarotheizungen sind auch eine Möglichkeit, mehr Solarstrom selbst zu verbrauchen, was die Wirtschaftlichkeit der Anlage verbessert.

Der Heizspiegel für Deutschland 2026 wurde von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund und dem Bauherren-Schutzbund im September 2026 veröffentlicht. Weitere Informationen: www.co2online.de/heizspiegel

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